Eine Autorin kehrt zurück

 

Es ist der Abend des 31. 1. 2019. Der Ort des Geschehens ist die Schulbibliothek des Kollegium Aloisianum. Viele Regale und noch viel mehr Bücher. Ein schöner Anblick und sofort gute Stimmung.

An diesem Abend fällt der Blick der Besucher auch auf Sesselreihen, auf einen Tisch mit Mikrofon und auf Stapel von Büchern gleichen Aussehens, die die Bibliothekarinnen Mag. Hemma Ostermann und Mag. Miriam Schmalnauer in weiser Voraussicht platziert haben. Im schönsten Raum der Schule ist alles für eine Lesung und ein Gespräch vorbereitet.

Die Leitung der Schule hat die Veranstaltungsreihe „Forum Aloisianum“ auf einen Weg gebracht. Das verdient Lob.

Am letzten Tag im Jänner 2019 kommt es zur Begegnung mit der Schriftstellerin Anna Weidenholzer.

Dass mich Herr Direktor Mag. Bachler ersucht hat, die Moderation des literarischen Abends zu übernehmen, ist vergleichbar mit einer Schifahrt auf herrlich präparierter Piste im Sonnenschein. (Passend zur Jahreszeit!)

Der Besuch von Anna Weidenholzer ist ein bemerkenswertes Ereignis. Aus zwei Gründen! Einer ist literarisch geprägt, der andere auch, aber er ist zusätzlich persönlich bebildert.

Anna Weidenholzer gehört zu den bedeutendsten Autorinnen im deutschsprachigen Literaturgeschehen. Auszeichnungen und Preise lenken zurecht die Aufmerksamkeit auf die Schriftstellerin.

Weidenholzers Werke finden sich auf „Long- und Shortlists“ zu renommierten Buchpreisen. Von einem „ausgezeichneten Literaturjahrgang“ schreiben die OÖN, als sie im 2016 ihr Augenmerk auf junge Autorinnen und Autoren aus Oberösterreich und Österreich und damit auch auf Anna Weidenholzers literarisches Schaffen richten.

In diesem Jahr erschien Anna Weidenholzers zweiter Roman „Weshalb die Herren Seesterne tragen“. 2010 hatte die Schriftstellerin mit dem Erzählband „Der Platz des Hundes“ und 2014 mit ihrem ersten Roman „Der Winter tut den Fischen gut“ bereits weithin beachtete Auftritte.

Zu den drei genannten Texten gab die Autorin am Kollegium Aloisianum klug ausgewählte Leseproben, die das Publikum sehr beeindruckten und zu Fragen anregten. Beides lag an der inhaltlichen Qualität und der sprachlichen Brillanz der vorgetragenen Textauszüge und gleichermaßen an der „sanften“ und doch wirkungsvollen Vortragsweise der Autorin.

Im Gespräch, das zwischen und nach den Lesungen stattfand, ging es auch um folgende Themenfelder: Beruf einer Schriftstellerin, Literaturbetrieb, Verbindung: Deutschunterricht und Literatur. Wir machten uns auch auf die Suche nach dem Glück, verließen anheimelnde Orte und stellten uns die Frage, wie die Welt zu retten sei.

Die Familie, Freunde und ehemalige Mitschülerinnen von Anna Weidenholzer, Kolleginnen und Kollegen aus der Schule, Eltern von einst und jetzt haben sich auf dem Freinberg eingefunden. Gekommen sind auch zwei Autorinnen, die ich vor den Vorhang holen möchte: Susanne Huber, die am Kollegium Aloisianum unterrichtet, und Silvana Steinbacher, Kulturredakteurin beim ORF.

 

Anna und Anna! Dramaturgisch genau geplant, taucht die persönliche Note auf und rückt die Autorin als Schülerin ins Blickfeld.

Anna Weidenholzer besuchte von der ersten bis zur achten Klasse das Kollegium Aloisianum.

In der Oberstufe war ich Annas Deutschlehrerin, eine „Anna E. im Glück“.

 

Schreiben konnte Anna Weidenholzer immer schon. Ihre Texte waren damals schon eine Wonne.

Als schriftliche Maturaarbeit wählte meine Schülerin Anna den künstlerisch-kreativen Schreibprozess zum Thema „Das andere Gesicht oder die Verwandlung“. Ein Text, der herausragte.

Anna Weidenholzers Spezialgebiet bei der mündlichen Matura war „Frau sein und schreiben!“ Das muss nicht kommentiert werden.

 

Eine Deutschlehrerin liest enorm viele Texte. Das ist mit Mühe verbunden, aber auch mit großen Gefühlen. Ich habe meine Aufgabe immer auch darin gesehen, die Freude am Schreiben erlebbar zu machen. Es ist ein Wagnis, sich auf das kreative Schreiben einzulassen. Aber es lohnt sich. Überzeugende Beweise liegen bereit. Auch auf Büchertischen.

 

Ein wichtiges Stichwort ist gefallen! „Kreatives Schreiben“ war der Titel des Workshops, der am Nachmittag des 31. 1. am Kollegium Aloisianum stattfand. Schülerinnen und Schüler, die das Modul gleichen Namens gewählt haben, ließen sich mit Anna Weidenholzer auf das Abenteuer „Schreiben“ ein. Mit viel Freude und Erfolg, wie von der Autorin und der Deutschprofessorin Sarah Krennbauer zu hören war.

 

Wenn die Schriftstellerin Anna Weidenholzer – an welchem Ort auch immer – eines ihrer Werke vorgestellt hat, war ich dabei und jedes Mal sehr stolz auf sie.

Es kann schon sein, dass wir uns beim nächsten Mal wieder am Kollegium Aloisianum begegnen. An diesem besonderen Ort.

„Die Kunst des Schreibens ist das größte Vergnügen“, ist in Christoph Ransmayrs Roman „Der fliegende Berg“ zu lesen.

Diese Kunst beherrscht Anna Weidenholzer in allen Facetten.

 

Anna Elisabeth Mittmannsgruber

Anbei das Skipt zum Vortag: